KÜLTE

Region · Külte

Külte: fast tausend Jahre Dorf zwischen Bergland und Börde

Külte ist ein Ortsteil von Volkmarsen im Landkreis Waldeck-Frankenberg, gut 800 Einwohner, erstmals erwähnt im Jahr 1036. Im Westen und Süden schieben sich die Ausläufer des Waldecker Berglandes an den Ort heran, nach Norden und Osten öffnet sich die Volkmarser Börde. Dazwischen liegt ein Dorf, das älter ist als die meisten Städte der Umgebung.

Culti, 1036: der erste Eintrag

Die erste Spur von Külte findet sich im Codex Eberhardi, wo der Ort 1036 als „Culti“ auftaucht. Damals gehörte das Dorf zum Einflussbereich von Paderborn. 1236 kam es in den Besitz der Grafen von Waldeck, ab 1273 schrieb man „Cülte“. Diese Zugehörigkeit zu Waldeck hat den Ort über Jahrhunderte geprägt: Külte war Waldecker Dorf, während das benachbarte Volkmarsen jahrhundertelang kurkölnisch war. Zwei Welten, keine drei Kilometer auseinander.

Ganz bäuerlich blieb es dabei nicht. Schon 1678 sind in Külte ein Hammerwerk und eine Tuchfabrik nachgewiesen, kleine Industrie in einem Dorf, das man sich sonst gern nur mit Feldern vorstellt.

Der Altar von 1521

Das Schmuckstück des Ortes steht in der evangelischen Kirche: ein spätgotischer Schnitzaltar von 1521 aus der Werkstatt der Franziskaner zu Meitersdorf bei Frankenberg. Arbeiten derselben Werkstatt finden sich sonst nur noch in Braunau, Kleinern und Dalwigksthal. Die Kirche selbst ist deutlich älter, sie wird 1231 erstmals erwähnt, und schon 1224 taucht ein Pfarrer Heinrich von „Cullethe“ in den Quellen auf. Im Zweiten Weltkrieg beschädigt, wurde sie bis 1953 wiederaufgebaut, mit dem Altar an seinem Platz.

Wer die Farben des Altars kennt, erkennt sie übrigens auf dieser Website wieder: Das Rot, Gold und Blau des Külter Dorfplatzes stammt genau von diesem Flügelaltar.

Ein Kapitel, das man kennen sollte

Von September 1934 bis August 1936 betrieb die jüdische Jugendorganisation Hechaluz in Külte eine Hachschara-Ausbildungsstätte. Junge Jüdinnen und Juden bereiteten sich hier auf die Auswanderung nach Palästina vor, auf Landwirtschaft und Handwerk, mitten in einem Deutschland, das ihnen jede Zukunft nahm. Dass ein 800-Seelen-Dorf so ein Stück Weltgeschichte trägt, gehört zu Külte genauso wie der Altar.

Seit 1972 Volkmarsen, seit jeher eigensinnig

Am 1. August 1972 wurde Külte im Zuge der hessischen Gebietsreform nach Volkmarsen eingemeindet. Auf dem Papier war das das Ende der Selbständigkeit. Praktisch merkt man davon wenig: Das Dorfleben organisieren bis heute die Vereine, vom Turnverein 08 über die Freiwillige Feuerwehr Volkmarsen-Külte bis zu allen, die Feste, Turniere und Traditionen am Laufen halten. Was gerade ansteht, zeigt der Veranstaltungskalender.

Ein eigenes Ortswappen hat Külte nie geführt. Vielleicht braucht es auch keins: Der Name reicht seit 1036.

Häufige Fragen

Zu welcher Stadt gehört Külte?

Külte ist seit 1972 ein Ortsteil der Stadt Volkmarsen im Landkreis Waldeck-Frankenberg, Nordhessen. Nach der Kernstadt ist es der größte Volkmarser Ortsteil.

Wie viele Einwohner hat Külte?

Gut 800. Zum Stand 30. Juni 2019 waren es 813 Menschen auf rund 10 Quadratkilometern.

Was sollte man in Külte gesehen haben?

Die evangelische Kirche mit dem Schnitzaltar von 1521. Und, je nach Jahreszeit, eines der Dorffeste: Termine stehen im Kalender.

Quellen

Historisches Ortslexikon Hessen (LAGIS), Eintrag Külte · Stadt Volkmarsen, Stadtteilporträt Külte · Wikipedia, Artikel „Külte“ · Heidelberger Kunsthistorisches Institut zum Külter Passionsretabel von 1521.