KÜLTE

Region · Waldeck

Waldeck: Grafschaft, Fürstentum, Edersee

Wenn in Külte jemand „Waldecker Land“ sagt, meint er keine Verwaltungseinheit. Er meint ein Land, das es seit 1929 offiziell nicht mehr gibt und das trotzdem nie verschwunden ist: Waldeck, über 700 Jahre lang Grafschaft, Fürstentum und zuletzt Freistaat mitten in Deutschland.

Ein kleines Land behauptet sich

Die Grafen von Waldeck tauchen im späten 12. Jahrhundert auf, ihre Stammburg ist das heutige Schloss Waldeck hoch über der Eder. Von dort aus bauten sie ein Territorium auf, das sich zwischen den großen Nachbarn Hessen, Kurköln und Mainz erstaunlich lange behauptete. Külte kam 1236 in Waldecker Besitz und blieb es über Jahrhunderte; die evangelische Prägung der Waldecker Dörfer geht auf diese Zeit zurück, während das kurkölnische Volkmarsen nebenan katholisch blieb.

1712 stiegen die Grafen zu Fürsten auf. Das Fürstentum Waldeck und Pyrmont, zwei getrennte Landesteile mit der Residenz in Arolsen, überstand das Alte Reich, Napoleon und die Reichsgründung von 1871 als eigener Bundesstaat, einer der kleinsten in Deutschland.

1918 Freistaat, 1929 das Ende

Mit der Revolution von 1918 dankte der Fürst ab, aus dem Fürstentum wurde der Freistaat Waldeck. Pyrmont wechselte 1922 zu Preußen, der Rest hielt noch ein paar Jahre durch. Am Ende scheiterte das kleine Land nicht an Politik, sondern an Geld: Eine Änderung des Finanzausgleichs 1927 kostete Waldeck fast 600.000 Reichsmark an Zuweisungen, ohne die es nicht lebensfähig war. Am 1. April 1929 trat der Freistaat Waldeck Preußen bei. So endete das letzte Kapitel deutscher Kleinstaaterei nüchtern per Vertrag, mit Festakt in Arolsen.

Was blieb: ein See, ein Schloss, ein Name

Geblieben ist mehr, als in Verwaltungsakten steht. Schloss Waldeck thront heute über dem Edersee, der seit der Fertigstellung der Edertalsperre 1914 die Eder aufstaut und zu den größten Stauseen Deutschlands zählt. Geblieben ist auch der Name: Der Landkreis heißt Waldeck-Frankenberg, das Volksbanken-Sponsoring, die Zeitungsseiten, die Trachtenvereine und der Sprachgebrauch heißen „Waldecker“. Ein Land kann aufhören zu existieren und trotzdem bleiben, wo es war.

Für Külte heißt das: Wer verstehen will, warum das Dorf tickt, wie es tickt, muss einmal kurz nach Waldeck schauen. Und wer sehen will, wie das heute aussieht, kommt zu einem Fest.

Häufige Fragen

Ist Waldeck eine Stadt oder eine Region?

Beides. Waldeck ist heute eine Kleinstadt am Edersee mit dem bekannten Schloss, war aber bis 1929 zugleich der Name eines eigenen Landes. „Waldecker Land“ meint die Region dieses früheren Landes.

Warum wurde der Freistaat Waldeck aufgelöst?

Aus finanziellen Gründen: Nach der Kürzung der Steuerzuweisungen 1927 war der kleine Staat nicht mehr lebensfähig und schloss sich 1929 Preußen an.

Gehörte Külte zu Waldeck?

Ja, seit 1236. Külte war ein Waldecker Dorf, und vieles an seiner Prägung, etwa die evangelische Kirche, stammt aus dieser Zugehörigkeit.

Quellen

Historisches Ortslexikon Hessen (LAGIS), Einträge Waldeck · LAGIS, „Festakt zum Vollzug der Vereinigung des Freistaats Waldeck mit Preußen in Arolsen“ · Wikipedia, Artikel „Freistaat Waldeck“ und „Waldeck (Stadt)“.